So langsam kehrt hier das Alltagsleben ein, es gibt zwar noch sooo viele Sachen die ich erledigen und kennenlernen muss, jedoch hat mein Tagesablauf schon eine ziemliche Regelmäßigkeit. Jeden Morgen in die Metro, nach zwei Stationen endlich nen Sitzplatz bekommen, in Avn. America ca 2 km Rolltreppe fahren, dabei jeden morgen Bach - Air vom gleichen Geigenspieler hören, in die super lange Schlange vom 115er anstellen und mit diesem dann bis vor die Tür von TID fahren. Dann für ein paar Stunden schwere Arbeit leisten, Kaffeepause mit den Team-Mitgliedern, Arbeit, Lunch mit den Interns, Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten und wieder ab in den Bus. Avn America einem eingewechselten Gitarrenspieler zuhören, wie er versucht Eric Clapton zu spielen, Metro fahren und ab zum Spanischkurs. Danach nach Hause, mit meinen bezaubernden Mitbewohnerinnen quatschen und joggen gehen. Dann ist es auch schon 12 und man kann schon wieder schlafen gehen. Teilweise schaffe ich es dann auch noch eine Salsaparty in den Ablauf reinzuquetschen. Der Lohn ist ein früher Freitagsschluss und ein freies Wochenende.
Meine Arbeitskollegen sind auch alle nett und in meinem Großraumbüro ist auch immer gute Stimmung. Neben mir sitzt Captain Tuberkolose, der den übelsten Husten hat denn ich jemals gehört habe. Jedes Mal wenn ich mich nach einer seiner krassen Attacken zur Seite umdrehe, denke ich die Lunge liegt auf der Tastatur. Trotzdem geht er alle 20 Minuten für ne Kippe nach draußen.
Die Kaffeeautomaten, die im Treppenhaus stehen und dummerweise nur Cafe corto und lago und so anderes Zeug herstellen können werden von allen Mitarbeitern regelmäßig besucht. Mir fehlt hier nur der richtigen Starbucks Filterkaffee im 1 Liter Becher. Von den kleinen Portionen die hier üblich sind, und mit Zucker getrunken werden (ich hab noch nicht rausgefunden wie ich der Maschine sage, dass ich keinen haben möchte) hab ich nich so viel.
Ich glaub jeder meiner Mitarbeiter hat auch immer seine Zahnbürste dabei und geht nach dem Mittagessen auf die Toilette, Zähne putzen. Also ist es keine Seltenheit, dass sich manchmal eine kleine Schlange vor der Herrentoilette bildet.
Heute waren wir nach der Arbeit mit den Teammitgliedern in einer Bar in der Nähe vom Telefonica Gebäude. Wieder ein mal konnte ich feststellen, dass mein Spanisch sich proportional zu den leeren Flaschen auf der Theke verbessert. Außerdem habe ich jetzt viele Abmachungen mit meinen Mitarbeitern in der Form: "Du verbesserst mein Spanisch, ich dein Deutsch/Englisch"...also läuft...
Das Wohnen mit den Mädels ist auch noch ok. Jetzt kriegt man erstmal mit was Frauen doch für gemeine und aber gleichzeitig auch total veraffte Geschöpfe sind. (no offense)
Gestern mussten sie sich irgendwelche Lügen ausdenken, die sie einem Typen schicken wollten, der in einer bar auf sie wartete. Nach 30 Minuten hatten sie endlich was geeignetes zusammengebastelt und schickten ihm die 3 Zeilen per SMS. Als daraufhin das Telefon klingelte und sich raustellte, dass er anrief, rannten sie wie aufgeschreckte Hühner durch die Wohnung: "oh mein gott, oh mein gott, er ruft an, was soll ich tun???" Da ich jetzt auch offiziell der Mann im Haus bin, muss ich auch allen technischen Scheiss machen, der hier anfällt...Lampen höher hängen, Rolladen reparieren, Computer konfigurieren etc
Eine Großstadt zieht natürlich auch die komischsten Gestalten an. Habe ich schon festgestellt, als ich mit ein paar Amerikanern, die ich aus dem Hostel meiner Wohnungsuchenzeit des Nachts unterwegs war. Wir trafen uns mit einer paar Spaniern aus Madrid, die irgendeiner der Gruppe kannte, und die uns einen tollen Club zeigen wollten. Wir endeten im Viertel Chueca (das sich später als das Schwulen Viertel in madrid herausstellen sollte) und wurden direkt von Schleppern in einen von außen gut aussehenden Club geführt.
Die erste komische Sache, die uns auffiel, war der krasse Männer Überschuss im Club, die außerdem noch alle ziemlich bunt und lustig angezogen waren. Bei uns ( wir waren nur blonde, relativ große Männer) schlug sofort der "Frischfleischalarm" an, da alle Augen lüsternd auf uns gerichtet waren. Da wir aber alle auf Grund Vorglühens etc dringendst schiffen mussten kamen wir nicht drum rum uns auch den Rest der Parade anzukucken. Zum Glück überlebte jeder von uns und wir konnten mit kleineren seelischen Störungen und verzerrten Weltbildern flüchten.
Auf dem Rückweg fiel mir noch viel öfter auf, dass irgendwas an diesem Viertel nicht stimmte. Als erstes würde ich direkt die Oberkörper-freien piercten Türsteher nennen, die ganz in Village People Manier in Leder mit Hut gekleidet waren.
Andere komische Sachen die mir speziell während des Joggens in der Stadt aufgefallen sind: ein Typ, der komplett nackt im Park rumgelaufen ist; sehr sehr sehr auffällige Transen und das krasseste, ein Chico, der _IN_ einem Altpapiercontainer saß und dort ein Buch gelesen hat und ab und an mal aus der Luke rausgeschaut hat.
Dieses Wochenende kommen Alexis und Matthieu zu Besuch, außerdem noch Ema und Sandra aus San Sebastian. Das heißt zuerst Dinner bei Cristina, dann Party und hoffentlich am WE ein paar Tourisachen. Ich muss noch so viel sehen in Madrid. Außerdem ist das Wetter im Moment noch zu gut um ins Prado oder Thyssen Museum zu gehen. Das mach ich dann wenn es regnet...
Also hasta ahora...
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